Advent der Tiere

advent-der-tiereDas Musik-Projekt Advent der Tiere beinhaltet Werke neuer Kammermusik, kontrapunktiert von Stücken aus Renaissance und Barock, in denen die Tiere im Mittelpunkt stehen.

Das Thema Mensch und Tier wird seit Plato in der abendländischen Philosophie und Theologie mit Vehemenz diskutiert; aber nie war unsere ethische Verantwortung gegenüber dem Mitgeschöpf so herausgefordert wie heute angesichts der Massentierhaltung und der grausamen Laborversuche.

In der Musik waren die Tiere bisher vorwiegend pittoreske Elemente eines naiven oder symbolisch – affektiven Naturbildes. (Janequin und Monteverdi). Neu ist an unserem Projekt, dass die klassische Musik (Olivier Messiaen) und auch die ganz neue zeitgenössische Musik (Maria Porten) die Tiere in ihrer  Eigenart und Lebenssituaion zur Kenntnis nimmt (Texte von Darwin, Borja, Brecht) und explizit auch ihr Leiden thematisiert (Karlheinz Röder).

Hörprobe: Tierlieder

Nachtrag: Das Konzert „Advent der Tiere“ wurde 2006 durch die Stiftung Kreatives Alter (Vontobel) ausgezeichnet. In der Laudatio heisst es u.a. „Portens Musik, die an die jungen Musiker hohe Anforderungen stellt, vermeidet allzu naturalistische Effekte und nützt die Sprache zu einer überzeugenden musikalischen Form.“

Im Zeichen der Schildkröte

Dieses Konzert vom Juli 2003 trägt den Untertitel:
„Unter dem Eindruck politischer Aktualität“

im-zeichen-der-schildkroeteDer Titel selbst entstammt einem Gedicht von Bertold Brecht. Eine Schildkröte, wie von Kinderhand gezeichnet, mit einem Ölzweig im Rachen, entsteigt der blutigen Flut und bringt die Zeugung der Unfruchtbaren  ins Stocken. Der Sänger und Komponist Javier Hagen schrieb zu Brechts Text „Drei Auswege“ für Tenor und Blockflöten. Andere Texte und ihre Vertonungen folgen der Schildkröte in ihre mythologischen Urgünde, in die Periodos Geologicos, so wie die Bundesaussenministerin Micheline Calmy – Rey es in ihrer eindrücklichen Grussadresse an die Konzertbesucher tut, sie nehmen  den Schutzpanzer der Schildkröte wahr, sehen aber im Kontrast dazu auch die Verwundbarkeit des Menschen.

„Insbesondere seit meinem Amtsantritt als Aussenministerin ist mir bewusst geworden, wie zerbrechlich die Sicherheit der Menschen ist….Ich bin den Organisatoren dankbar, dass sie mit ihrer Musik nicht nur die Sinne ansprechen, sondern auch zum Nachdenken über die Situation von Menschen anregen, die unter Gewaltkonflikten und Krisen leiden.“

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Der Serben-Führer Ratko Mladic (links) und der Chef der niederländischen Blauhelmtruppen Ton Karremans (Mitte) trinken gemeinsam (Bild vom 12. Juli 1995)

Ein solch furchtbarer Gewaltkonflikt, das Massaker von Srebrenica, macht Maria Porten bei diesem Konzert zum Thema ihres Stückes „11.Juli 1995“ nach einem Text des Bosniaken Behaudin Trakić.

Das Werk wird am 11.Juli 2005 bei einer politischen Gedenkfeier in der Semper Aula der ETH ZH wiederaufgeführt. Die Emotionen schlagen hoch. Die bosnische Botschafterin Jasmina Pasalić schreibt  „Thank you for your great contribution to the efforts of our generation to always remember Srebrenica genocide in order to prevent such a tragedy ever happens again“. Eine andere Besucherin spricht in Bezug auf die Srebrenica Komposition sogar von einem Stück Schweizerisch-Bosnischer Geschichte.

Das Werk soll 2016 in Bosnien von bosnischen Künstlern neu inszeniert werden.
Musik als Politik!

präsent

praesent-02Durs Grünbein wird als Autor nach Leukerbad eingeladen und stellt neue Werke vor. Er wird mit dem Literaturpreis des Festivals Wallis ausgezeichnet. Die Komposition zu seinen Texten „Vergessen“  und  „Räume“ von Maria Porten werden ein halbes Jahr später in der alten Kirche Wollishofen in einem spannenden bunten Programm uraufgeführt zusammen mit Werken der Autoren Javier Hagen („laut und luise“ auf Texte von Ernst Jandel) ; Martin Derungs (rosso -azurro); Anette Schmucki („mein Lied“ auf ein Gedicht bon Cecilia Meireles); Mischa Käser(„Dupuytren“ für Blockflöten); Alfred Zimmerlin („Braus“ für Blockflten und Tonband).

Dazu weitere Werke von Maria Porten („Weltanfang“ nach einem Gedicht von Else Lasker-Schüler und  „Y la ciudad“ auf Texte von José E. Pacheco und Clo Duri Bezzola) Interessant, dass der „Schlager“ unter den Kompositionen von Maria Porten  schon in diesem ihrem ersten Konzert präsentiert wird: „lebelight„.